Professor/in (Universität) Lebenslauf-Beispiel & Vorlage

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  • akademische Selbstverwaltung
  • Forschungs- und Lehrkonzept

Worauf Personalverantwortliche achten

Berufungskommissionen lesen einen akademischen Lebenslauf entlang dreier Fragen: Passt Ihr Forschungsprofil zur Denomination der Professur, ist Ihre Forschung sichtbar und finanziert, und können Sie gut lehren? Ordnen Sie den Lebenslauf deshalb klar nach wissenschaftlichem Werdegang, Publikationen, Drittmitteln mit Geldgeber, Rolle und Laufzeit, Lehre mit Veranstaltungen und Evaluationen, Betreuung von Promotionen und akademischer Selbstverwaltung. Machen Sie deutlich, worauf Ihre Berufbarkeit beruht: Habilitation, Juniorprofessur, Nachwuchsgruppenleitung oder vergleichbare Leistungen. Ausschreibungen verlangen oft zusätzlich ein Forschungs- und Lehrkonzept; Lebenslauf und Konzept sollten dieselbe Geschichte erzählen. Halten Sie sich genau an die geforderten Unterlagen und Formate, denn manche Hochschulen nutzen eigene Bewerbungsformulare oder Onlineportale mit festen Feldern. Viele Ausschreibungen bitten außerdem ausdrücklich darum, auf ein Foto zu verzichten.

Beispiel-Stichpunkte nach Erfahrungsstufe

Einstiegsebene

  • Promotion mit summa cum laude, drei Aufsätze aus der Dissertation in begutachteten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht
  • Betreuung des Laborpraktikums Zellbiologie für 60 Studierende pro Semester, Lehrevaluation durchgehend über dem Fachbereichsdurchschnitt
  • Einwerbung eines Stipendiums für einen viermonatigen Forschungsaufenthalt im Ausland, daraus eine gemeinsame Publikation entstanden
  • Vorträge auf sechs internationalen Konferenzen, davon zwei auf Einladung, sowie Gutachten für vier Fachzeitschriften

Mittlere Ebene

  • Juniorprofessur mit Tenure Track: positive Zwischenevaluation nach drei Jahren, nach der Tenure-Evaluation Berufung auf eine W2-Professur
  • Leitung einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe der DFG mit drei Promovierenden, fünf gemeinsame Publikationen in drei Jahren
  • Neukonzeption der Einführungsvorlesung Organische Chemie im Inverted-Classroom-Format, Durchfallquote von 38 % auf 24 % gesenkt
  • Betreuung von 35 Abschlussarbeiten und drei Promotionen, eine Dissertation mit dem Fakultätspreis ausgezeichnet

Senior

  • Leitung eines Lehrstuhls mit vier wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Drittmitteln von insgesamt 2,4 Mio. € in sechs Jahren
  • Sprecherin eines Graduiertenkollegs mit zwölf Promovierenden, Verlängerung der Förderung nach erfolgreicher Begutachtung
  • Studiendekanin der Fakultät, Reakkreditierung von fünf Studiengängen ohne Auflagen und Einführung eines digitalen Prüfungsformats
  • Mitherausgeberin einer internationalen Fachzeitschrift und gewähltes Mitglied eines DFG-Fachkollegiums für die Begutachtung von Förderanträgen

Häufige Fehler im Lebenslauf

Publikationsliste ohne Struktur

Kommissionen wollen schnell sehen, was begutachtet ist. Trennen Sie Aufsätze in Fachzeitschriften mit Peer Review, Working Papers, Buchbeiträge und sonstige Veröffentlichungen, nummerieren Sie fortlaufend und heben Sie Ihren Namen hervor. Markieren Sie zusätzlich Ihre fünf wichtigsten Arbeiten, falls die Ausschreibung ausgewählte Schriften verlangt. Das spart der Kommission Zeit.

Drittmittel ohne eigene Rolle

„Beteiligung an einem DFG-Projekt“ sagt wenig. Nennen Sie Geldgeber, Programm, Titel, Laufzeit, Fördersumme und vor allem Ihre Rolle: Antragstellung, Projektleitung, Teilprojektleitung oder Mitarbeit. Eigene Einwerbungen zeigen, dass Sie eine Arbeitsgruppe aufbauen und finanzieren können, und gehören deshalb gut sichtbar in einen eigenen Abschnitt. Laufende Anträge kennzeichnen Sie als beantragt.

Lehre nur aufgezählt

Eine Liste von Lehrveranstaltungen zeigt Fleiß, aber nicht Qualität. Ergänzen Sie Format, Niveau, Semesterwochenstunden und Teilnehmerzahl, dazu Evaluationsergebnisse, Lehraufträge an anderen Hochschulen, neue Lehrkonzepte und hochschuldidaktische Weiterbildung. Lehre wird im Berufungsverfahren oft zusätzlich mit einer Lehrprobe geprüft; ein überzeugender Lehrteil im Lebenslauf bereitet darauf vor. Nennen Sie auch Lehrpreise.

Keine Ausrichtung auf die Denomination

Viele schicken denselben Lebenslauf an jede Ausschreibung. Die Denomination der Professur und der Ausschreibungstext zeigen, welche Schwerpunkte zählen, etwa empirische Methoden, Transfer oder bestimmte Lehrgebiete. Stellen Sie die passenden Projekte, Publikationen und Lehrveranstaltungen nach vorn und greifen Sie genau diese Punkte im Anschreiben ausdrücklich wieder auf.

Selbstverwaltung und Betreuung vergessen

Gremienarbeit, Gutachten und die Betreuung von Promotionen fehlen oft, obwohl Kommissionen genau darauf achten: Wer eine Professur übernimmt, leitet ein Team und trägt Verantwortung in der Fakultät. Nennen Sie abgeschlossene und laufende Promotionen, Berufungskommissionen und Prüfungsausschüsse sowie Gutachten für Fachzeitschriften und Förderorganisationen. Auch Ihr Beitrag zur Nachwuchsförderung gehört dazu.

Karriereweg

Promotion und PostdocEigene Forschung im Team einer ProfessurPublikationen, Konferenzen, erste Lehre
Juniorprofessur, Nachwuchsgruppe oder HabilitationEigenständiges ForschungsprofilDrittmittel, Betreuung, Berufbarkeit
Professur (W2)Fachgebiet mit eigenem TeamLehre, Promotionen, Gremienarbeit
Professur (W3) und LeitungsämterLehrstuhl, Institut oder DekanatVerbundprojekte, Wissenschaftsmanagement, Nachwuchsförderung

Häufig gestellte Fragen

Wie schreibe ich einen akademischen Lebenslauf für eine Professur?

Gliedern Sie nach wissenschaftlichem Werdegang, Ausbildung, Forschungsschwerpunkten, Drittmitteln, Lehre, Betreuung, Selbstverwaltung, Gutachtertätigkeiten und Mitgliedschaften; das Publikationsverzeichnis folgt meist als eigene Anlage. Beginnen Sie jeden Abschnitt mit dem Aktuellsten und bleiben Sie bei einem einheitlichen Zitierstil. Ein akademischer Lebenslauf darf deutlich länger sein als zwei Seiten, sollte aber auf den ersten Blick Ihre aktuelle Position, Ihre Berufbarkeit und Ihre wichtigsten Leistungen zeigen.

Brauche ich eine Habilitation für eine Professur?

Nicht unbedingt. Ausschreibungen verlangen meist zusätzliche wissenschaftliche Leistungen nach der Promotion, die durch Habilitation, Juniorprofessur, Nachwuchsgruppenleitung oder gleichwertige Leistungen nachgewiesen werden können. In manchen Fächern ist die Habilitation weiterhin üblich, in anderen kaum noch. Die genauen Einstellungsvoraussetzungen regeln die Hochschulgesetze der Länder; lesen Sie die Ausschreibung genau und machen Sie Ihren Weg im Lebenslauf deutlich.

Gehört ein Foto in den akademischen Lebenslauf?

In der Regel nicht. Hochschulen sind an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gebunden, und viele Ausschreibungen bitten ausdrücklich darum, auf ein Foto zu verzichten. Auch Angaben wie Familienstand oder Religion sind unnötig. Konzentrieren Sie sich auf wissenschaftliche Inhalte und Ihre Rolle in Forschung und Lehre. Eine Schwerbehinderung können Sie angeben, wenn Sie möchten, denn öffentliche Arbeitgeber haben dann im Auswahlverfahren besondere Pflichten.

Wie gebe ich Drittmittel im Lebenslauf an?

Nennen Sie für jedes Projekt Geldgeber und Programm, Titel, Laufzeit, Fördersumme und Ihre Rolle. Trennen Sie eigene Anträge, also Antragstellung oder Projektleitung, von Projekten, in denen Sie mitgearbeitet haben. Bei Verbundprojekten geben Sie den Anteil Ihres Teilprojekts an. Stipendien und Preise führen Sie in einem eigenen Abschnitt. Eine Gesamtsumme der selbst eingeworbenen Mittel im Profil erleichtert der Kommission die Orientierung.

Wie stelle ich meine Lehrerfahrung dar?

Listen Sie Lehrveranstaltungen nach Semester mit Titel, Format, Niveau und Semesterwochenstunden. Ergänzen Sie Evaluationsergebnisse, neu entwickelte Veranstaltungen, digitale oder forschungsorientierte Lehrformate und betreute Abschlussarbeiten. Hochschuldidaktische Zertifikate und Lehrpreise zeigen, dass Sie Lehre ernst nehmen und weiterentwickeln. Viele Kommissionen verlangen zusätzlich ein Lehrkonzept oder eine Lehrprobe; Ihr Lebenslauf sollte die dort beschriebenen Erfahrungen mit Beispielen belegen.

Lebenslauftext

Berufliches Profil

Volkswirtin mit Schwerpunkt Verhaltensökonomik und Finanzwissenschaft. Seit 2017 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, zunächst als Juniorprofessorin mit Tenure Track, seit 2023 nach positiver Evaluation Professorin (W2). 22 Aufsätze in begutachteten Fachzeitschriften, rund 930.000 € eingeworbene Drittmittel, darunter eine DFG-Sachbeihilfe als Antragstellerin. Lehre vom Bachelor bis zur Promotion, Betreuung von sechs Promovierenden sowie Mitarbeit in Berufungskommissionen und im Prüfungsausschuss.

Berufserfahrung

Professorin (W2) für Volkswirtschaftslehre (seit 2023; zuvor Juniorprofessorin mit Tenure Track) — Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Volkswirtschaftslehre

• Lehre in Bachelor und Master Volkswirtschaftslehre, u. a. Verhaltensökonomik, Finanzwissenschaft und experimentelle Wirtschaftsforschung, mit Lehrevaluationen durchgehend über dem Fakultätsdurchschnitt

• 15 Aufsätze in begutachteten Fachzeitschriften seit 2017, darunter mehrere in international führenden Zeitschriften der Finanzwissenschaft und Verhaltensökonomik

• Projektleitung einer DFG-Sachbeihilfe (410.000 €) und Teilprojektleitung in einem Verbundprojekt zur Altersvorsorge; Aufbau eines Online-Panels für Verhaltensexperimente mit rund 3.000 Teilnehmenden

• Betreuung von sechs Promovierenden, davon zwei mit abgeschlossener Promotion, sowie von über 40 Bachelor- und Masterarbeiten

• Mitglied in zwei Berufungskommissionen und im Prüfungsausschuss; Gutachterin für die DFG und internationale Fachzeitschriften

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc), Volkswirtschaftslehre — Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

• Weiterführung der Dissertationsprojekte; zwei Aufsätze in begutachteten Fachzeitschriften zur Veröffentlichung angenommen

• Vorbereitung des DFG-Antrags zu sozialen Normen und Steuerehrlichkeit, später als Projektleiterin in Kiel bewilligt

• Übungen im Mastermodul Experimentelle Wirtschaftsforschung und Vorträge auf drei internationalen Konferenzen

Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin — Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn Graduate School of Economics

• Dissertation zu sozialen Normen und Steuerehrlichkeit auf Basis von Labor- und Feldexperimenten

• Übungsleitung in Mikroökonomik und Ökonometrie für jeweils rund 200 Studierende

• Organisation des wöchentlichen Forschungsseminars für angewandte Mikroökonomik

Ausbildung

Promotion (Dr. rer. pol.) — Volkswirtschaftslehre — Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Bonn Graduate School of Economics. Dissertation: Soziale Normen und Steuerehrlichkeit – Evidenz aus Labor- und Feldexperimenten (summa cum laude).

Master of Science — Economics — Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Schwerpunkte Mikroökonometrie und Finanzwissenschaft; Masterarbeit zu Steuermoral und Vertrauen in staatliche Institutionen.

Bachelor of Science — Volkswirtschaftslehre — Universität Regensburg

Kenntnisse

Ökonometrie und Kausalanalyse

Experimentelles Forschungsdesign (Labor- und Feldexperimente)

Stata, R und Python

Drittmittelakquise (DFG, Verbundprojekte)

Betreuung von Promotionen und Abschlussarbeiten

Hochschuldidaktik und Lehrveranstaltungsplanung

Wissenschaftskommunikation und Politikberatung

Projekte

DFG-Sachbeihilfe: Soziale Normen und Steuerehrlichkeit

Antragstellerin und Projektleiterin, 2018–2021, Fördersumme 410.000 €. Feldexperiment mit einer kommunalen Steuerverwaltung und rund 18.000 Steuerpflichtigen; zwei Promotionsstellen, Ergebnisse in einer international führenden Fachzeitschrift der Finanzwissenschaft veröffentlicht.

Verbundprojekt: Standardoptionen in der betrieblichen Altersvorsorge

Teilprojektleitung in einem vom BMBF geförderten Verbund von vier Universitäten, 2022–2025, Fördersumme des Teilprojekts 520.000 €. Feldstudie mit zwei Arbeitgebern zur Wirkung automatischer Einschreibung auf die Sparquote.